Besonderheiten bei der Glucosebestimmung-Blutzuckerbestimmung

Es bestehen höchste Anforderungen an die Genauigkeit der Blutzuckerbestimmung für die frühzeitige Erkennung von Störungen im Glucosestoffwechsel (z.B. Diabetes mellitus, Gestationsdiabetes), weshalb bereits präanalytisch größte Aufmerksamkeit auf eine korrekte Vorgehensweise gelegt werden sollte. Glucose (Abkürzung: Glc) entspricht Glukose (von griechisch γλυκύς ‚süß‘, und -ose als Suffix für Zucker).

Unmittelbar nach der Blutabnahme beginnt ein kontinuierlicher Abbau der im Blut enthaltenen Glucose (Glykolyse) durch die Blutzellen, was zu falsch niedrigen Messergebnissen führen kann. Die nach der Blutabnahme einsetzende Gerinnung bewirkt einen zusätzlichen Glucoseverbrauch. Glykolyse und Gerinnung müssen daher unmittelbar nach Blutabnahme effektiv unterbunden werden. Dies kann durch den Zusatz geeigneter Glykolyse- und Gerinnungshemmer erreicht werden.

Die Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (2019) und die S3-Leitlinie zum Gestationsdiabetes (2018) empfehlen die Verwendung von Materialien:

  • sofort wirksame Glykolysehemmer (Citrat / Citratpuffer)

kombiniert mit

  • verzögert wirksamen Glykolysehemmer (Natriumfluorid).

Darüber hinaus sollte ein Gerinnungshemmer enthalten sein (z.B. EDTA / Heparin). Es wird empfohlen, nur solche Röhrchen für die Bestimmung von Glucosewerten zu verwenden, die eine Kombination dieser Zusätze enthalten (z.B. CF-Röhrchen, GLUCOMEDICSR, Gluco-ExactR, FC MixR).

Die alternativ mögliche sofortige Zentrifugation und Trennung von Plasma und zellulären Bestandteilen ist in der Praxis oft nicht umsetzbar. Blutentnahmesysteme, die ausschließlich einen verzögert einsetzenden Glykolyse-Hemmer enthalten (nur NaF, kein Citrat), sollten zur Primärdiagnostik nicht mehr eingesetzt werden.

Geeignet Untersuchungsmaterialien

Materialien Wirkung

Citrat + NaF

sofortige Hemmung der Glykolyse

NaF-, Heparin-Plasma
(zentrifugiert)

nur verwendbar, wenn sofort (innerhalb von 30 min)
abzentrifugiert und vom Blutkuchen getrennt
(Trenngel/abpipettiert)

Ungeeignet Untersuchungsmaterialien

 Materialien Wirkung

nur NaF-Blut

erst 1 – 4 h verzögert einsetzende Hemmung des
Abbaus der Glucose

kapilläres
Vollbluthämolysat

inkonstante Probenzusammensetzung,
Verdünnungsfehler, sollte nur im Rahmen von POCT
verwendet werden

Serum, NaF, Plasma
(unzentrifugiert)
umfangreiche in vitro-Glykolyse

Wichtiger Hinweis:

Referenzwertangaben der Fachgesellschaften sind nur für Plasma bzw. Vollbluthämolysat definiert, nicht für Serum. Die Hemmung des Blutzuckerabbaus durch Fluorid setzt bei Raumtemperatur erst nach 1–4 Stunden ein.

Kapilläres Vollblut-Hämolysat ist problematisch, da abnahmebedingt keine konstante Probenzusammensetzung gegeben ist und außerdem ein hohes Risiko für Verdünnungsfehler besteht.