Blutabnahme

Allgemeine Hinweise zur Blutabnahme:

  • optimalerweise morgens zwischen 7:00 und 9:00 Uhr
  • letzte Nahrungsaufnahme vor ≥ 8 h, das betrifft auch alle Nahrungsergänzungsmittel
  • zusätzlich 1-2 Stunden vor der Blutentnahme möglichst kein reichhaltiger Konsum von Koffein, (Zigaretten-) Tabak und Alkohol
  • Abnahme immer vor Medikamenteneinnahme
  • zuvor eine Ruhephase von 10-15 min
  • viele Hormone und andere Analyten unterliegen einer ausgeprägten Tagesrhythmik, daher ist eine medizinisch sinnvolle Verlaufsbeurteilung am besten möglich, wenn immer der gleiche Abnahmezeitpunkt gewählt wird
  • 3 Tage vor Blutentnahme keine körperlich ungewohnt erschöpfenden Belastungen
  • eindeutige Proben- und Patientenidentifikation sicherstellen
  • immer in gleicher Körperposition (sitzend oder liegend)
  • spezifische Anforderungen der Laborparameter beachten.

    Siehe auch LADR A-Z Labormedizin

Ablauf der venösen Blutentnahme

  • Hautdesinfektion
  • Stauzeit max. 30 – 60 s

Achtung: „Pumpen“ führt zu einem Kaliumanstieg!

  • nach Gefäßpunktion Stauung lösen
  • erforderliche Blutmenge entnehmen
  • Sollfüllhöhe der Entnahmeröhrchen beachten!
  • Probe mit gerinnungshemmenden Zusätzen sofort nach Entnahme durch Kippbewegungen (4 bis 5 mal um 180 °) mischen

Achtung: „Schütteln“ kann zu Hämolyse führen!

Blutabnahmereihenfolge

  1. Blutkultur (Vollblut)
  2. Nativblut (Serum)
  3. Citratblut (Blut / Plasma)
  4. Heparinblut (Blut / Plasma)
  5. EDTA-Blut (Blut / Plasma)
  6. CF-Blut (Glukose)

Achtung: Citrat-Röhrchen nie zuerst abnehmen, um Kontakt mit Gewebsthromboplastin zu vermeiden! Röhrchen mit Additiven stets nach dem Nativröhrchen abnehmen (Kontaminationsgefahr).

Blutentnahme, kapilar

Bei der Notwendigkeit häufiger Kontrolluntersuchungen (z.B. Blutzucker) sowie bei Neugeborenen und Kleinkindern (schwierige Venenverhältnisse, kleine Blutvolumina).

Blutabnahmeorte

  • Ohrläppchen: max. 3-5 mm tief am unteren äußeren Rand
  • Fingerbeere oder Zehenkuppe: maximal 2,5 mm tief seitlich am zweiten bis vierten Finger bzw. Zeh
  • Ferse: maximal 2,4 mm tief am lateralen Rand (bis zum 6. Lebensmonat)

Achtung: Risiko der Knochenverletzung bei Punktion tiefer als 2,4 mm

Blutabnahmetechnik

  1. Hyperämisierung des Punktionsortes
  2. Hautdesinfektion
  3. Desinfektionsmittel gut trocknen lassen

Achtung: Alkoholreste führen zu Hämolyse!

  1. kurzer Einstich mit Lanzette
  2. ersten Tropfen abwischen

Achtung: Kontamination mit Gewebsflüssigkeit!

  1. Kapillare an Punktionsort halten (Sollfüllhöhe beachten)
  2. Kapillare in Spezialcontainer mit Lösung stecken
  3. Spezialcontainer fest verschließen
  4. Mischen durch Kippbewegungen (fünfmal um 180 °)

Stolperfallen Blutabnahme

Was bei Blutentnahmen immer wieder schief geht und zu falschen oder nicht verwertbaren Messwerten führt:

Venöse Blutentnahme

  • „Pumpen“ führt zu einem Kaliumanstieg (Stauzeit max. 30-60 s)!
  • „Schütteln“ kann zu Hämolyse führen (Probe mit gerinnungshemmenden Zusätzen sofort nach Entnahme durch Kippbewegungen mischen)!
  • Gerinnungsröhrchen nie zuerst abnehmen, um Kontakt mit Gewebsthromboplastin zu vermeiden! Röhrchen mit Additiven stets nach dem Nativröhrchen abnehmen (Kontaminationsgefahr)
  • die Blutentnahmen niemals unterhalb von Infusionszuläufen durchführen! Nach Möglichkeit stets den Arm ohne Infusionssystem verwenden.

Kapillare Blutentnahme

  • bei Blutbild- und Gerinnungsparametern unzuverlässigere Werte durch hohe Fehlerrate bei der Entnahme
  • Risiko der Knochenverletzung bei Fersenpunktion tiefer als 2,4 mm
  • Alkoholreste führen zu Hämolyse.
  • Kontamination mit Gewebsflüssigkeit vermeiden – ersten Tropfen abwischen.
  • Reiben oder Drücken am Entnahmeort birgt die Gefahr der Hämolyse und stärkerer Vermengung mit Interstitialflüssigkeit.
  • ungenügendes Mischen kapillären Vollblut-Hämolysats zieht Gerinnselbildung nach sich.

Blutzuckerbestimmung

  • die Referenzwertangaben der Fachgesellschaften sind nur für Plasma bzw. Vollbluthämolysat definiert, nicht für Serum.
  • die Hemmung des Blutzuckerabbaus durch Fluorid setzt bei Raumtemperatur erst nach 1-4 Stunden ein.
  • Kapilläres Vollblut-Hämolysat ist problematisch, da abnahmebedingt inkonstante Probenzusammensetzung, außerdem hohes Risiko für Verdünnungsfehler
  • ersten Tropfen nur bei Thrombozytenzählung und Blutzuckerbestimmung verwenden