Blutabnahme Störgrößen

Störgrößen stören die Qualität der Testverfahren.
Im hämolytischen, lipämischen und ikterischen Proben sind die optischen Eigenschaften des Serums verändert, dadurch werden eine Reihe von Verfahren gestört. 

Hämolyse

Mit einer Häufigkeit von ca. 3 % ist die Hämolyse der am häufigsten auftretene Störfaktor. Dabei kommt es zur Freisetzung intrazellulärer Bestandteile aus den Blutzellen (Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten) ins Plasma bzw. Serum.

Eine mit dem Auge erkennbare rötliche Verfärbung von Plasma oder Serum tritt erst ab einer Konzentration von 200–300 mg/l freien Hämoglobins auf. Durch automatisierte photometrische Überprüfung im klinisch/chemischen Bereich fließen jedoch bereits geringere Konzentrationen in die Bewertung der Analysen mit ein.

  • Enzymaktivitäten: Durch die aus Blutzellen freigesetzten Substanzen können bestimmte chemische Reaktionen beeinflusst werden, z.B. bei der Bilirubinbestimmung (Peroxidase-ähnliche Aktivität von Häm-Proteinen) oder der Bestimmung der Creatinkinase (durch freigesetzte Adenylatkinase).
  • Extinktionsmaximum: Bei photometrischen Methoden im Messbereich des Extinktionsmaximums des Hämoglobins von 300-500 nm kann es aufgrund optischer Interferenz zu einer Extinktionserhöhung kommen.

Die in vitro-Hämolyse entsteht zumeist im Rahmen der Blutabnahme (starke Aspiration, zu dünne Nadel, partielle Obstruktion von Kathetern) oder unsachgemäßer Probenbehandlung (Schütteln, zu starkes Abkühlen oder Erwärmen, zu lange Aufbewahrungszeiten, unvollständige Zentrifugation, Zentrifugation teilgeronnener Proben) und ist in vielen Fällen vermeidbar. Sie führt zu falsch pathologischer Erhöhung derjenigen Analyten, die in hoher Konzentration in den Erythrozyten vorliegen (z.B. Kalium, Phosphat, LDH, GOT, freies Hämoglobin, Eisen, Zink).

Die in vivo-Hämolyse entsteht bei einem Transfusionszwischenfall (Antigen-Antikörper-Reaktionen), durch Pharmaka und toxische Substanzen, bei Malaria, Hämoglobinopathien oder erythrozytären Enzymdefekten. Laborchemisch ist durch die Bestimmung der folgenden Parameter meist eine Abgrenzung zur in vitro-Hämolyse möglich:

  • Abfall von Haptoglobin bis unterhalb der Nachweisgrenze
  • Anstieg des indirekten Bilirubins
  • Anstieg des Retikulozyten-Indexes

Lipämie

Lipämische Serum- oder Plasmaproben weisen bei einer Triglyzeridkonzentration über 300 mg/dl (3,4 mmol/l) eine sichtbare milchige Trübung auf, die nach Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel durch Chylomikronen hervorgerufen wird. Eine Lipämie ist häufig auf präanalytische Fehler zurückzuführen. Meist ist der Patient nicht nüchtern zur Blutabnahme erschienen oder die parenterale Gabe einer Fettemulsion ist der Blutabnahme vorausgegangen.

Seltener liegt eine hereditäre oder sekundäre Fettstoffwechselstörung (z.B. Diabetes mellitus, Alkoholismus, Hypothyreoidismus) vor. Lipide können Wasser aus den oberen Schichten einer Probe verdrängen. Dies führt, wenn ein definiertes Aliqout der Probe gemessen wird, zu scheinbar niedrigeren Konzentrationen wasserlöslicher Komponenten, z.B. zu einer Pseudohyponatriämie. Lipämische Proben beeinflussen außerdem durch Absorption und Lichtstreuung insbesondere photometrische Messmethoden.

Praktisches Vorgehen zur Vermeidung lipämischer Proben:

  • Einhaltung der 12-stündigen Nahrungskarenz vor der Blutabnahme
  • Einhaltung eines mindestens 8-stündigen Abstands der Blutabnahme zur parenteralen Gabe von Fettemulsionen

Bilirubinämie

Ikterische Seren zeigen durch das beim Ikterus vermehrt auftretende Bilirubin eine intensive gelb/grüne Färbung. Dies stört insbesondere die Bestimmung von z. B. Cholesterin, Creatinin und Harnsäure.

● stört      ○ kann stören

Einfluss auf ausgewählte Messergebnisse
Analyt Hämolyse Lipämie Bilirubinämie
Albumin, immunologisch    
alkalische Phosphatase  
Ammoniak    
Bilirubin  
CDT  
Chlorid    
Cholesterin
Cortisol    
Creatinin  
Eisen    
Eiweiß, gesamt  
Ferritin    
Fibrinogen    
Folsäure    
fT4    
fT3    
Glutamatdehydrogenase  
GOT    
GPT    
Haptoglobin    
Harnsäure
Harnstoff    
Homocystein    
Insulin    
Kalium  
Kupfer    
Laktatdehydrogenase    
Lipase    
Magnesium    
Phosphat    
Progesteron  
PTT    
saure Phosphatase    
Somatotropin    
Thromboplastinzeit    
TSH    
Triglyceride    
Zink    

● stört       ○ kann stören