Blutabnahme Untersuchungsmaterial Vollblut, EDTA, Plasma und Serum

Die meisten labormedizinischen Analysen werden aus Blut durchgeführt.

Man unterscheidet:

  • Vollblut, mit/ohne Zusätze: enthält alle zellulären Bestandteile, Gerinnungsfaktoren und Serum
  • Serum: besteht aus dem Überstand nach Ablauf der Gerinnung (in Röhrchen mit Gerinnungsaktivatoren) und anschließender Zentrifugation von Vollblut
  • Plasma: besteht aus dem Überstand nach Zentrifugation von Vollblut bei Zugabe von Antikoagulanzien (EDTA-Blut, Citrat-Blut, Heparin-Blut)
  • CF-Blut: Hemmung des Abbaus von Glucose und somit auch der Synthese von Laktat, z.B. für die Bestimmung der Glucose, insbesondere im OGTT

Vollblut ohne Zusatz

Vollblut sollte nach dem Ausgerinnen, d.h. nach 20 – 30 min stehender Ruhephase, zentrifugiert werden, da ansonsten in vitro-Stoffwechselvorgänge wie z.B. Glykolyse stattfinden. Die Lagerung einer Vollblutprobe über 48 h bei Raumtemperatur führt zu einem Abfall der Glucosekonzentration um 54 % und zu einem Anstieg des Phosphats um 90 %. Auch Kalium kann sich erheblich im Serum anreichern.

Achtung: Nicht-zentrifugiertes Blut im Serum-Entnahmegefäß nicht im Kühlschrank aufbewahren. Aufgrund der Temperaturabhängigkeit der Na+-/K+-ATPase kommt es bei Temperaturen < 4 °C und > 30 °C zu einer Freisetzung von Kalium aus den Zellen.

EDTA-Blut

Besonderheiten für Blutbilder

  • EDTA-Blut für das kleine Blutbild ist bei Raumtemperatur 24 h stabil.
  • EDTA-Blut für das große Blutbild (Zell-Differenzierung) erfordert Proben, die möglichst nicht älter als 8 h sind und bei Raumtemperatur gelagert wurden. Bei fortschreitender Degeneration der Leukozyten nimmt die Beurteilbarkeit mit zunehmender Zeit stark ab.

Besonderheiten für die Blutgruppenserologie

  • Das EDTA-Blut für die Blutgruppen- und Antikörperbestimmung ist maximal 5 Tage stabil.
  • Die Röhrchen müssen zusätzlich zum Barcode mit Namen, Vornamen und Geburtsdatum des Patienten beschriftet sein.

LADR informiert Nr. 258: Gezielte Rhesusprophylaxe – Spritze nur, wenn nötig

Citrat-Blut

Besonderheiten für Gerinnungsuntersuchungen

  • Das Citrat-Röhrchen muss unbedingt bis zur Markierung gefüllt werden, da es sonst mit der enthaltenen Flüssigkeit zu Verdünnungseffekten des Blutes kommt. Konkret ist dann das korrekte Verhältnis von Citrat zu Blut nicht gegeben. Für die anschließende Gerinnungsdiagnostik wird eine definierte Menge Calcium zu der Probe gegeben, um die Gerinnung kontrolliert zu starten. Bei einem verschobenen Citrat-Blut-Verhältnis würden die gewonnenen Ergebnisse verfälscht.
  • Wenn bei der Blutentnahme ausschließlich ein Citrat-Röhrchen abgenommen wird, sollte vorher eine geringe Menge Blut in ein zu verwerfendes Röhrchen entnommen werden, weil es bereits durch das Totvolumen des Entnahmesystems (Kanüle, Schlauch) zu einem Fehler des Citrat-Blut-Verhältnisses kommen kann.
  • Hämostaseologische Proben müssen zügig ins Labor gelangen. Angaben zur korrekten Präanalytik findet sich unter den jeweilige Parametern im A-Z Labormedizin Leistungsverzeichnis.
  • Plättchenarmes Citrat-Plasma sollte nach der Gewinnung sofort eingefroren werden (-20 °C bis -70 °C). Dazu wird das Citrat-Blut zentrifugiert, der Überstand unter Schonung der leukozytären Trennschicht in ein neues Probenröhrchen abpipettiert (nicht abgießen!) und erneut zentrifugiert. Der erneut abpipettierte Überstand (plättchenarmes Citrat-Plasma) wird in ein neues Probenröhrchen gegeben und sofort eingefroren. Unzureichend zentrifugierte Proben enthalten restliche Thrombozyten, die bei niedrigen Temperaturen zerfallen. Die dabei freigesetzten Bestandteile führen zu fehlerhaften Messungen.

Weitere Informationen zu Potenzielle Fehler bei der Blutentnahme für Gerinnungsanalysen

Serum und Plasma aus Vollblut

Trenngele bilden nach der Zentrifugation zwischen Serum bzw. Plasma und den Blutzellen eine stabile Trennschicht, sodass selbst nach Tagen keine Zellinhaltstoffe in das Serum gelangen.

Vorteile von Trenngelen:

  • längere Haltbarkeit bei 4 – 8 °C ohne störenden Einfluss durch die Zellen (wie z.B. Glucoseabbau oder Kaliumfreisetzung)
  • höhere Materialausbeute in verbesserter Qualität
  • verminderte Verwechslungs- und Infektionsgefahr
  • bei korrekter Durchführung keine Nachgerinnung

Serum

  • Blutentnahme: Röhrchen ohne Zusätze, Röhrchen mit gerinnungsfördernden Zusätzen (Kügelchen, ...), Röhrchen mit Gerinnungsaktivatoren und Trenngel
  • Probe gut durchmischen: fünfmal um 180° kippen, nicht schütteln!
  • Probe stehend 20 – 30 min ausgerinnen lassen
  • Zentrifugation: nach abgeschlossener Gerinnung 10 min bei 2000 × g
  • anschließend Trennung von zellulären Bestandteilen, sofern kein Röhrchen mit Trenngel verwendet wurde
  • Überstand: ohne Gerinnungsfaktoren (außer Calcium)

Achtung: Serum erst nach dem Abseren einfrieren!

Plasma

  • Blutentnahme: Röhrchen mit gerinnungshemmenden Zusätzen (EDTA, Citrat, Na-, NH4-, Li-Heparin, Hirudin...)
  • EDTA, Citrat: binden Calcium-Ionen
  • Heparin: aktiviert Antithrombin III durch Bindung
  • Hirudin: blockiert Thrombin durch Bindung
  • Es ist unbedingt auf die korrekte Füllhöhe zu achten, um korrekte Mischungsverhältnisse zu erzielen!
  • Probe gut durchmischen: fünfmal um 180° kippen, nicht schütteln!
  • Zentrifugation sofort möglich; 15 min bei 2000 × g
  • anschließend Trennung von zellulären Bestandteilen
  • Überstand: enthält Fibrinogen und andere Gerinnungsfaktoren

Achtung: Für die Plasma-Gewinnung sollte, wenn möglich, ein separates Röhrchen abgenommen werden. Ein einfaches Abpipettieren des Plasmas aus dem zentrifugierten Vollblut-Röhrchen führt zu massiven Konzentrationsveränderungen im verbleibenden Vollblut-Röhrchen! Für eine Plasma-Gewinnung aus einem Original-Röhrchen sollte die doppelte Menge Vollblut (Serum + Hämatokrit) des benötigten Plasmavolumens aus dem Original-Röhrchen in ein separates Gefäß überführt und erst dann zentrifugiert werden.

Allgemeine Lagerungs–und Versandbedingungen von Blutproben

  • Kühlung: Serum / Plasma muss unmittelbar nach der Zentrifugation gekühlt werden (4–8 °C) Ausnahme: Kryoglobuline, Kälteagglutinine und Kryofibrinogene (bei 37 °C gerinnen lassen und warm abzentrifugieren, siehe A–Z-Teil)
  • Einfrieren: Material darf nur einmal eingefroren werden, die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden, Transport in speziellen Kühlakkus
  • Lichtschutz: Lichteinwirkung kann u.a. zu einem Abfall von z.B. Bilirubin, Porphyrinen, Folsäure, β-Carotin, Vitamin A, C, K, B1, B2 und B6 führen, Proben vor Lichteinwirkung schützen (z.B. Umwickeln mit Alufolie).

Richtgrößen zur Stabilität von Blutproben

Substanzgruppe Blutprobenstabilität

Enzyme

gekühlt bis zu 5 Tage ohne Abweichung von mehr als 10 %

Ausnahmen:

  • LDH (Aktivität nimmt aufgrund der Kältelabilität von LDH4 und LDH5 ab)
  • saure Phosphatase (ist nur angesäuert stabil)

Substrate

gekühlt bis zu 6 Tage ohne wesentliche Veränderungen

Ausnahmen:

  • Triglyceride, endogene Lipasen spalten Fettsäuren ab
  • Elektrolyte, LDH, Bilirubin: Stabilität bis 24 Stunden
  • Blutfette, Folsäure, Vitamin B12: Stabilität bis 48 Stunden

Plasmaproteine

gekühlt bis zu einer Woche

Ausnahmen:

  • Gerinnungsuntersuchungen (Citrat-Plasma, Haltbarkeit ca. 4h)

Hormone,
Tumormarker

bei Raumtemperatur über 3 Tage

Ausnahmen:

  • NSE muss gekühlt eingesandt werden
  • wenn die Analytik für die Bestimmung von Peptidhormonen (insbesondere: ACTH, Renin,
    Vasoaktives Intestinales Peptid, Proinsulin und Calcitonin) nicht taggleich erfolgen kann,
    muss das Material gefroren eingesandt werden
  • Erst Trimester Screenig: Das Vollblut ist gekühlt 6 Stunden stabil, abzentrifugiertes
    Serum ist gekühlt 24 Stunden stabil, sollte eingefroren verschickt werden