Mundspülwasser in der SARS-CoV-2 PCR-Diagnostik

Der Goldstandard in der Corona-Diagnostik ist der Nasopharyngealabstrich, da hiermit verlässlich Material vom Ort der Virusreplikation gewonnen werden kann.

Eine Studie von LADR hat gezeigt: Alternativ bietet sich zum molekularbiologischen Nachweis von SARS-CoV-2 spezifischer RNA auch Mundspülwasser zur Probengewinnung an.

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Bitte beachten! Die Untersuchungsmethodik wurde ausschließlich für das Cobas 8800 System der Fa. Roche Diagnostics von uns evaluiert. Dieses Gerätesystem wird im LADR Zentrallabor, im LADR Laborzentrum Nord in Flintbek/Kiel und im LADR Laborzentrum Baden-Baden eingesetzt. Die Methode ist ohne vorherige Validierung nicht zuverlässig auf andere PCR-Systeme übertragbar. 

Probenentnahme: Nachteile des Goldstandards Rachenhinterwand

Beim Nasopharyngealabstrich wird das Untersuchungsmaterial vom Atemwegsepithel der Rachenhinterwand gewonnen. Liegt eine Infektion mit SARS-CoV-2 vor, vermehren sich die Viren hier massenhaft, die Proben enthalten also relativ zuverlässig Virusmaterial. Dieses Verfahren gilt daher zu Recht als Goldstandard.

Allerdings hat der Rachenhinterwandabstrich auch Nachteile:

  • Der Abstrich muss von geschultem Fachpersonal entnommen werden, um eine hohe Probenqualität zu gewährleisten.
  • Der Abstrich kann für Probanden unangenehm sein und geht mit Tränenfluss einher.
  • Der Probennehmer muss sich durch Schutzbrille, -kleidung und Maske vor einer Ansteckung schützen und muss diese regelmäßig wechseln.
  • Sind die Abstrichtupfer zu dick, wird die Rachenhinterwand nicht erreicht und es kann Nasenbluten auftreten – vor allem bei Menschen, die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen müssen.
  • Im Labor muss der Abstrichtupfer in Flüssigkeit eingerührt werden. Neben der persönlichen Schutzausrüstung sind dafür Sicherheitswerkbänke erforderlich, um sowohl das Infektionsrisiko für das Personal als auch das Kontaminationsrisiko der Proben zu minimieren. Zudem müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um Probenverwechselungen zu vermeiden.

Eine gute Alternative: Mundspülwasser

Im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion werden die Viren auf der Schleimhaut im Mund-Rachenraum, im Speichel und in den Speicheldrüsen gefunden. In mehreren Studien wurde Speichel als Alternative für die Diagnostik erfolgreich getestet. Aber Speichel kann so zähflüssig sein, dass er nicht nur schwer zu gewinnen ist, sondern im Labor verflüssigt werden muss. Andernfalls verstopfen die Pipetten der Laborgeräte und es kann zu Fehlern bei der Testung kommen.

"Gurgelwasser" wäre auch eine Möglichkeit, Viren von der Schleimhaut abzuwaschen. Aber im Falle einer bestehenden Infektion kann beim Gurgeln ein hochinfektiöses Aerosol entstehen, das mit großer Infektionsgefahr für das anwesende Personal und für jeden in den Abnahmeraum folgenden Probanden einherginge.

Unser Vorgehen nutzt die Vorteile der Speichelprobe und des Abspülens der Mundschleimhaut – ohne dass Gurgeln erforderlich ist. Eine 0,9%ige Kochsalzlösung wird 20 bis 30x im Mund hin und her bewegt – vergleichbar mit dem Ausspülen nach dem Zähneputzen – und dann in einen Auffangbecher gespuckt. Nach Schließen des Bechers wird der verflüssigte Speichel per Unterdruck in ein Röhrchen gesogen. Das reduziert das Infektionsrisiko der Praxismitarbeiter.

Wichtig! Im Vergleich zum Gurgeltest ist beim Spülen mit geschlossenem Mund von einer geringeren Aerosolbildung und damit reduzierten Gefahr einer Ansteckungsmöglichkeit auszugehen.

Das befüllte Probenröhrchen wird zwecks Identifikation mit einem Barcode beklebt und ins Labor transportiert. Dort kann es ohne weitere Bearbeitung direkt auf ein PCR-Gerät gestellt werden – automatisch mittels Barcode identifiziert, dem das Ergebnis zugeordnet wird. Damit wird die Gefährdung für das Laborpersonal minimiert. Zudem werden eine Probenverwechselung im Labor wie auch eine mögliche Kontamination bei der Bearbeitung ausgeschlossen.

Anleitung zur Durchführung

Mundspülwasser-Testset (Best.-Nr. 187901) bei unserem Partner Intermed bestellen:
Freecall: 0800 08 50-113 • Freefax: 0800 08 50-114 • E-Mail: vertrieb@intermed.de

» Download Anleitung

Für die Durchführung erforderlich:

Mundspülwasser-Testset (Best.-Nr. 187901), bestehend aus:
1x Auffangbecher mit Transfereinheit,
1x Monovette,
1x 5ml 0,9%ige NaCl-Lösung (Kochsalzlösung),
1x Anleitung.

Proband

Die Kochsalzlösung (5ml) in den Mund drücken.

Die Flüssigkeit 20 x in der Mundhöhle hin- und
herbewegen.

Ist der Proband allein im Raum, kann er
abschließend gurgeln - danach bitte stoßlüften!

Anschließend die Suspension in den geöffneten Becher
spucken und diesen wieder fest verschließen.

Veranlasser

Becher schräg halten, Schutzfolie von Deckelöffnung abziehen.

Monovette tief hineinschieben, bis Einsaugstutzen in Kontakt mit der Flüssigkeit kommt und diese in die Monovette steigt.

Erreicht die Füllhöhe nicht Daumenbreite, Becher aufschrauben und verbliebene Flüssigkeit vorsichtig (!) in die geöffnete Monovette kippen.

Die Monovette und den Auftragsschein jeweils mit einem Barcode versehen und ins Labor einsenden.

Testergebnis per QR-Code über mein-laborergebnis.de
abrufbar, wenn von Testzentrum, Arztpraxis oder anderem Veranlasser gewünscht.

Siehe Anleitung unter
www.mein-corona-testergebnis.de


In einer Pilotstudie haben wir bei 23 Freiwilligen nacheinander Abstriche der Rachenhinterwand (Nasopharyngealabstrich) entnommen und Mundspüllösungen gewonnen. Die direkt aus den Mundspüllösungen durchgeführten PCR-Testungen ergaben ausschließlich verwertbare, negative Ergebnisse identisch mit den Ergebnissen der im Labor eingerührten Abstrichtupfer. Ergänzend haben wir die menschliche RNA und DNA in den Lösungen mittels PCR gemessen.

In zwei Fällen stimmten diese überein, aber in den übrigen 21 wurden bis zu 10fach höhere Konzentrationen in den Mundspüllösungen gefunden. Damit wurde bewiesen, dass mittels Mundspülung mindestens so viel Zellmaterial wie beim Abstrich gewonnen und dass sie problemlos zur SARS-CoV-2 PCR Diagnostik verwendet werden kann. Auf Basis dieser Erkenntnisse haben wir eine Studie durchgeführt.        

LADR Studie: Mundspüllösung versus Abstrich

In zwei Abstreichstationen der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein in Trittau und Neumünster wurden von insgesamt 242 der Teilnahme zustimmenden Probanden je zwei Proben gewonnen  – ein Nasopharyngealabstrich (Verfahren V1) und eine Mundspüllösung (Verfahren V2). Alle Proben wurden mittels PCR auf SARS-CoV-2 RNA untersucht. Von 10 Teilnehmer wurde so wenig Mundspüllösung (< 1 ml) eingeschickt, dass kein PCR Ergebnis erzielt werden konnte.

Ergebnisse: Mittels Abstrich wurden insgesamt 58 positive Proben ermittelt, darunter 39 mit einem CT-Wert < 30. Mit V2 wurden alle bis auf 2 Proben (Ct-Wert 28 und 29) als positiv identifiziert, aber nur 25% (5 von 19) derjenigen mit einem CT-Wert größer 30.

Das heißt: 95% der nach der RKI-Definition kontagiösen Probanden wurden zuverlässig ermittelt, lediglich jene mit bereits abklingender oder beginnender Infektion, von denen keine Infektionsgefahr zum Zeitpunkt der Untersuchung ausging, wurden nicht sicher erkannt.

Wichtig: Wir erhielten KEINE falsch positiven Tests (174 Teilnehmer in beiden Proben übereinstimmend negativ). Sachgerecht genommene Proben konnten alle analysiert werden, wir verzeichneten keine Fehlermeldungen.

Für die SARS-CoV-2-Diagnostik aus Mundspülwasser ergeben sich folgende Vorteile:

  • Einfache Probennahme – nach Anleitung auch durch den Probanden selbst
  • Kein Kontakt mit infektiösem Material während und nach Probennahme
  • Schnellere Analyseergebnisse durch Entfallen der Probenaufbereitung im Labor
  • Keine Probenverwechselung nach Barcodierung
  • Keine Kontaminationsgefahr der Probe bei der Bearbeitung zur Testung
  • Keine falsch-positiven Ergebnisse wie beim vergleichbar sensitiven Antigentest – damit entfällt die Überprüfung positiver Tests

Im Alltag kann die Mundspülung eine Alternative sein:

  • bei regelmäßiger Testung zum Ausschluss einer SARS-CoV-2 Infektionsgefahr, z. B. in Pflegeeinrichtungen, Schulen, Krankenhäusern, Arztpraxen
  • bei Menschen mit Problemen beim Abstreichen der Rachenhinterwand durch Nase oder Mund
  • bei Kindern (die jüngsten von uns Getesteten waren 5 Jahre alt