Benzodiazepine eine be(un)ruhigende Gefahr  

Benzodiazepine sind Substanzen, deren Wirkungen dem Sedativen Syndrom zugeordnet werden. Pharmakologisch wirken die Benzodiazepine als Modulatoren am hemmenden GABA-Rezeptor. 

Daher haben sie ein weites Wirkspektrum. Sie finden neben der Sedierung auch als Anxiolytika (angstlösend) oder als Antikonvulsiva (bei Epilepsie) Anwendung. Benzodiazepine haben als Sedativa/Hypnotika alte Wirkstoffe, wie die Barbiturate mit starken Nebenwirkungen bei Überdosierungen weitestgehend abgelöst. Auch wenn Atemdepressionen bei Einnahme von Benzodiazepinen sehr viel seltener auftreten, kommt es bei längerer Gabe zur Toleranzentwicklung und Abhängigkeit.

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Allein in Deutschland werden über 200 Mio. Tagesdosen pro Jahr verordnet. Diese Zahl ist auch nur eine ungefähre Schätzung, da Benzodiazepine sehr häufig auch als Dauermedikation auf Privatrezept verschrieben werden und so nicht von der Zählung der gesetzlichen Krankenkassen erfasst werden. Erhebungen gehen davon aus, dass es in Deutschland in etwa 1,6 Mio. Benzodiazepin-Abhängige gibt.

Dieser Patientenkreis ist ehr älter und weiblicher, als bei anderen Wirkstoffgruppen. In dieser Patientengruppe ist das Sturz- und Frakturrisiko und damit auch das allgemeine Sterberisiko durch die Einnahme von Benzodiazepinen erhöht. Benzodiazepine werden auch als Beikonsum bei opioidabhängigen Patienten nachgewiesen. Die S3-Leitlinien für medikamentenbezogene Störungen zeigen evidenzbasierte Behandlungsstrategien mit Benzodiazepinen und für abhängige Patienten auf. 

Das erste Benzodiazepin wurde von Leo Sternbach 1960 synthetisiert. Mittlerweile sind weltweit 35 Präparate auf dem Markt. Der häufigste Wirkstoff ist Diazepam. Z. T. werden die Wirkstoffe im Körper angereichert und sind nach chronischer Einnahme über mehrere Wochen nachweisbar.

Auch dem Sedativen Syndrom zugeordnet und damit eine vergleichbare Wirkung haben die Z-Substanzen (Zopiclon undZolpidem), sowie Pregabalin, Gabapentin, gamma-Hydroxybuttersäure (GHB), aber auch Alkohol. Bei einem Verdacht auf einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit sollte stets das ganze Spektrum erfasst werden. In den letzten Monaten treten vermehrt Fälle mit synthetisch hergestellten nicht zugelassenen Wirkstoffen auf. Hierbei handelt es sich zum einen um Wirkstoffe wie Etizolam oder Phenazepam, die in anderen Ländern zugelassen sind, aber zum anderen auch um völlig neuen Verbindungen. Diese sind über das Internet günstig und einfach zu erhalten. 

Der Nachweis der Wirkstoffe kann in Urin, Speichel oder Haaren erfolgen. Optimal für die Interpretation ist eine quantitative Bestimmung im Blut oder Kapillarblut. Eine Verlaufskontrolle über Kumulativbefunde ist empfohlen. Der Einsatz von Teststreifen sollte auf Grund der zum Teil geringen Empfindlichkeit vermieden werden. Eine Differenzierung der Substanzen sollte mittels LC-MS/MS erfolgen.