Gezielte Rhesusprophylaxe – Spritze nur, wenn nötig

Ab sofort können wir ein sicheres Verfahren zur Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors D aus mütterlichem Blut anbieten. Nur im Fall eines D-positiven Fetus ist die pränatale Rhesus-Prophylaxe in der 28. SSW erforderlich. Somit können Sie – im Einklang mit der neuen Hämotherapie-Richtlinie – zukünftig auf die pränatale Rh-Prophylaxe bei etwa 40 % der D-negativen Schwangeren verzichten. Sie vermeiden die unnötige Anwendung eines humanen Blutproduktes, welches nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, teuer ist und Restrisiken für Ihre Patientinnen birgt.

Die 1967 eingeführte „Rhesus-Prophylaxe“ hat eine der tragischsten Komplikationen der Schwangerschaft, den schweren MHN durch Anti-D-Antikörper, zu einem seltenen Ereignis gemacht. Die Gabe von Anti-D-Hyperimmunglobulin verhindert, dass eine Schwangere durch übergetretene D-positive Erythrozyten des Kindes immunisiert wird. Nachdem zunächst mit der postpartalen Prophylaxe begonnen wurde, welche nur unter der Geburt in den mütterlichen Kreislauf eingetretene fetale Erythrozyten unschädlich macht, wurde etwa 20 Jahre später die pränatale Rhesus-Prophylaxe zur weiteren Reduktion des MHN-Risikos in der 28.–30. SSW eingeführt.

Während die postpartale Prophylaxe nur bei einem D-positiven Kind und damit gezielt erfolgt, musste in der Vergangenheit die pränatale Prophylaxe bei allen D-negativen Schwangeren unabhängig vom D-Status des Fetus durchgeführt werden. Damit war sie in etwa 40 % der Fälle überflüssig, denn etwa 40 % der Kinder D-negativer Mütter sind ebenfalls D-negativ.

Bei den Präparaten zur Prophylaxe handelt es sich um humane Blutprodukte. Blutspendern, die selbst D-negativ sein müssen, wird mehrmals D-positives Blut „transfundiert“. Die in den meisten Fällen nach einigen Wochen gebildeten Antikörper werden mittels Plasmaspende gewonnen, das Plasma wird entsprechend verarbeitet und auf die gängigen Infektionsmarker getestet. Zusätzlich werden Virusinaktivierungsmaßnahmen durchgeführt, welche allerdings nur umhüllte Viren eliminieren. Abgesehen vom minimalen Restrisiko für die Übertragung von Infektionserkrankungen werden die typischen Nebenwirkungen humaner Immunglobuline beobachtet (Tachykardie, Hypotonie, Anaphylaxie, Übelkeit, Arthralgie), meist in einer Häufigkeit zwischen 1:1.000 und 1:10.000 (Quelle: Fachinformationen Rhophylac 300, CSL Behring).

Die moderne Fetaldiagnostik erlaubt inzwischen, den RhD-Status des Fetus zuverlässig mittels PCR (engl. polymerase chain reaction) aus dem Blut der Mutter zu bestimmen. Dem wird in der 2017 aktualisierten Hämotherapie-Richtlinie mit folgender Empfehlung ausdrücklich Rechnung getragen: 

„Eine Anti-D-Prophylaxe bei der Schwangeren ist nicht notwendig, wenn der Fetus mit einem validierten Verfahren RhD-negativ bestimmt wurde. Nach der Geburt ist das Merkmal RhD, vorzugsweise aus Nabelschnurblut, zu bestimmen.“

Ein validiertes Verfahren der pränatalen Fetaldiagnostik aus mütterlichem Blut bietet das LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen ab sofort flächendeckend an.

Für die Praxis bedeutet das:

  • Sie können uns ab der 20. SSW 8–10 ml EDTA-Blut der (RhD-negativen) Schwangeren schicken. Aufgrund der sehr hohen Sensitivität des RhD-Nachweises ist hier besondere Aufmerksamkeit auf eine mögliche Kontamination zu legen. Daher bitten wir um Einsendung eines extra Röhrchens für diese Analyse. Wir teilen Ihnen wenige Tage später den Rh-Faktor D des Kindes mit. Falls dieser positiv ist, geben Sie wie gewohnt die Anti-D- Prophylaxe. Falls nicht, verzichten Sie auf die Prophylaxe.
  • Bitte kreuzen Sie die Analytik „fetaler Rh-Faktor D aus mütterl. Blut“ unter Abschnitt 2. Schwangerschaft im LADR Laborauftragsschein „IGeL Gynäkologie“ an und schicken Sie diesen Laborauftragsschein ans Labor zurück.
  • Eine Aufklärung nach Gendiagnostikgesetz ist nicht erforderlich, da in diesem Fall nicht nach einem Gen mit prädiktivem Wert für eine zukünftige Krankheit gesucht wird.

Obwohl sich das Vorgehen mit der aktuellen Hämotherapie-Richtlinie der Bundesärztekammer in Einklang befindet und die Vermeidung unnötiger Gaben von Blutprodukten ein hohes gesetzliches Ziel ist, kann bis zu einem entsprechenden Beschluss des G-BA nicht davon ausgegangen werden, dass die Kosten von den gesetzlichen Kassen übernommen werden.

Damit handelt es sich bis auf Weiteres um eine IGeL-Leistung. Sobald eine EBM-Abrechnungsziffer existiert, werden wir Sie darüber informieren.

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LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen

Lauenburger Str. 67
21502 Geesthacht

Tel: 04152 803-0
Fax: 04152 803-369

Ansprechpartner:

Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Frohn