Liquor (Nervenflüssigkeit, Liquor cerebrospinalis)

Für Untersuchungszwecke wird Liquor (Nervenflüssigkeit, Liquor cerebrospinalis) durch Punktion der Liquorräume gewonnen. Die häufigste Form der Liquorentnahme ist die Lumbalpunktion, bei der die Entnahme aus dem unteren Rückenmarkskanal erfolgt.

Weniger häufig ist die Subokzipitalpunktion (auch Zisternenpunktion genannt: Punktion der Cisterna cerebello-medullaris) und die Ventrikelpunktion (Punktion der Hirnventrikel). Nach der Punktion Liquor in mehrere (3-5) sterile Entnahmesysteme füllen.

Der Liquor sollte sofort nach der Entnahme in das Labor gesendet werden. Für zytologische Untersuchungen müssen Transportzeiten < 2 Stunden eingehalten werden. Ist eine Zwischenlagerung unvermeidbar, muss der Liquor für klinisch-chemische und virologische Untersuchungen im Kühlschrank – für bakteriologische Untersuchungen bei 37 °C – aufbewahrt werden. Für die meisten Liquoruntersuchungen wird auch ein Serumröhrchen benötigt.

Material

Liquorgefäße sollten steril und gut verschließbar sein. Durchsichtig-farblose Gefäße sind wegen der besseren makroskopischen Beurteilbarkeit zu bevorzugen. Polystyrol-Röhrchen haben sich hier als das am besten geeignete Material erwiesen. Glasgefäße sollten wegen der erhöhten Bruchgefahr und auch wegen der vermehrten Zelladhäsivität nicht verwendet werden.

Liquor Entnahme

Üblicherweise wird zwischen dem LWK 3 / 4 oder LWK 4 / 5 am sitzenden oder liegenden Patienten punktiert. Nach sorgfältiger Desinfektion findet dann, ggf. unter Lokalanästhesie, die Punktion unter sterilen Bedingungen statt. Für diagnostische Zwecke sollten mind. 5-10 ml Liquor in 3-5 sterilen Röhrchen und zeitgleich ein Serum-Röhrchen (ca. 5 ml) entnommen werden. Das Serum-Röhrchen wird zur Berechnung des Reiber-Schemas und erregerspezifischer Antikörper-Indizes sowie bei der Bestimmung von oligoklonalen Banden zwingend benötigt. Auf den entnommenen Proben sollte Punktionsort und -zeit vermerkt werden.

Blutiger Liquor

Bei fleischwasserfarbenem oder blutigem Liquor sollte eine Entnahme in 3 Röhrchen (nummeriert in der Reihenfolge der Abnahme) erfolgen. Nimmt die Intensität ab, spricht dies für eine artifizielle Blutbeimengung. Bei gleichbleibender Intensität kommt differentialdiagnostisch eine SAB infrage.

Präanalytik Liquor

Eine Zellanalytik sollte innerhalb von 1-2 Stunden erfolgen, da selbst bei 4 °C der Zellverlust nach 2 Stunden unkalkulierbar ist (s. Liquorentnahme im Kapitel Mikrobiologie-Präanalytik). Im nativen Liquor sollte die Laktat-Bestimmung ebenfalls in dieser Zeit erfolgen. Der Probenversand (Liquor und Serum) für die Bestimmung humoraler Parameter kann in der Regel ungekühlt erfolgen, wenn die Bestimmungen unmittelbar nach Versand erfolgen. Glucose und Laktat sind bei 4 °C im zellfreien Überstand bis zu 1 Tag stabil. Für die Proteinanalytik aus dem zellfreien Überstand kann der Liquor bei 4 °C für 1 Woche aufbewahrt werden.

Nach diesem Zeitraum ist eine ausreichende Stabilität der meisten Analyten nicht mehr gewährleistet. Die Bestimmung von Immunglobulinen ist nach Einfrieren bei -20 °C nicht mehr möglich. Zudem ist der Nachweis von oligoklonalem IgG nach Einfrieren des Liquors bis zu 20 % weniger sensitiv. Die langfristige Lagerung des Liquors sollte bei -80 °C erfolgen, wobei wiederholtes Auftauen und Einfrieren zu vermeiden ist.