Abstriche

(z.B. Augen-, Nasen-, Rachen-, Vaginal-, Urethra-, Anus-Abstrich) Mit sterilem Tupfer in Transportmedium bringen. Spezielle Entnahmeverfahren finden Sie auch im labormedizinischen Analysespektrum von A-Z bei den einzelnen Erregern.

Augenabstriche und HNO-Abstriche

Indikation: Infektionen der Augen, der Nasennebenhöhlen und des Gehörganges

Die Sekretentnahme soll möglichst vor einer Anwendung von lokalen Desinfektionsmitteln, Anästhetika oder Antibiotika erfolgen, ggf. frühestens 4-6 h danach. Bei trockenen Entzündungsformen ist der Tupfer vorher mit steriler Kochsalzlösung anzufeuchten. Membranöse Beläge sind vorsichtig abzuheben, dann wird von der Unterseite Sekret entnommen.

Für molekulare Nachweisverfahren, insbesondere die PCR, müssen die Tupfer mit entnommenem Material ohne festes Transportmedium eingesendet werden, weil diese Medien die Diagnostik durch Inhibitoren stören können. Der bakteriologische Geltupfer ist für PCR-Untersuchungen ungeeignet. Bei Untersuchungen auf Chlamydien und Gonokokken ggf. Spezialbesteck (Best.-Nr. 451321) verwenden.

Transport:Taggleich
Untersuchungsdauer: 2-3 Tage

Rachenabstriche, Tonsillenabstriche

Indikation: Infektion der oberen Atemwege

Zunge mit Spatel herunterdrücken und Material von entzündeten bzw. sekretbedeckten Arealen des Rachens oder der Tonsillen entnehmen. Wenn möglich Wangenschleimhaut und Zunge nicht berühren. Zur Untersuchung auf Angina Plaut-Vincent empfehlen wir einen zusätzlichen Tupfer einzusenden. Für die Untersuchung auf Corynebacterium diphtheriae empfiehlt sich eine telefonische Ankündigung.

Transport: Taggleich bei RT, sonst Zwischenlagerung bei 4 °C
Untersuchungsdauert: 2 Tage

Vaginalabstriche, Zervixabstriche, Urethralabstriche, Genitalabstriche, Sperma

Indikation: Infektionen des Genitaltraktes

Sekrete gezielt aus dem Infektionsbereich gewinnen und Kontamination mit der umliegenden Standortflora möglichst vermeiden. Urethralsekret mit dem Abstrichtupfer aufnehmen, indem nach vorsichtiger Reinigung mit sterilem Wasser oder steriler Kochsalzlösung 0,9 % der Harnröhrenmündung die Harnröhre von hinten nach vorne ausgestrichen wird. Erscheint kein Sekret, den Tupfer vorsichtig ca. 2 cm in die Urethra vorschieben und langsam drehen.

Prostatasekret: Nach Reinigen der Harnröhrenmündung wird die Prostata vom Rektum aus massiert und das ausfließende Exprimat in einem sterilen Gefäß oder mit einem Abstrichtupfer aufgefangen. Zervix- und Vaginalsekret wird gezielt, nach Spekulumeinstellung, mit dem Abstrichtupfer entnommen. Für viele Infektionserreger im Urogenitalsystem weisen molekulare Nachweisverfahren eine deutlich höhere Sensitivität (Gonokokken, Trichomonaden) als die üblichen Kultur- oder Mikroskopie-Verfahren auf.

Für einige Erreger wie Mycoplasma genitalium und Chlamydia trachomatis ist der Nachweis mittels PCR die Methode der Wahl, da die Anzucht Zellkulturen voraussetzt, die in der Routine nicht mehr verwendet werden. Zumal die Anzucht Wochen bis Monate benötigen würde. Weitere Details sind im Schaubild „Präanalytik urogenitaler Infektionen“ (DIN A4 – Best.-Nr. 114845, DIN A3 – Best.-Nr. 114664) dargestellt und in LADR informiert Nr. 244 – 11/2019 Präanalytik urogenitaler Infektionen beschrieben.

Transport: Taggleich bei RT, sonst Zwischenlagerung bei 4 °C

Zum Vergrößern Bild anklicken:

Eiter-, Wund-, Abszess-, Fistel-, Ulcus-, Haut-, Schleimhautabstriche

Indikation: Infektionen der Haut und subkutanen Weichteile

Material aus geschlossenen Eiterungen sollte möglichst vor einer chirurgischen Eröffnung perkutan punktiert werden. Auch bei schleimhautnahen Prozessen ist die perkutane Punktion vorzuziehen. Erregerreiches Material wird vor allem in den Randbereichen von Eiterherden angetroffen. Bei offenen Wunden muss zuerst das oberflächliche, sekundär besiedelte Sekret mit einem sterilen Tupfer entfernt werden. Dann wird vom Grund und aus den Randbezirken der Wunde Material entnommen, am besten mittels Kanüle und Spritze, scharfem Löffel oder ähnlichem, sonst mittels Abstrichtupfer.

Bei Fisteln ist zunächst das oberflächlich austretende Sekret zu entfernen und die Fistelöffnung mit 80 % Ethanol zu desinfizieren. Dann wird Material aus der Tiefe des Fistelganges entweder mit einem eingeführten dünnen Katheter aspiriert oder mit einer feinen Kürette herausgeschabt. Für eine eingehende mikrobiologische Untersuchung und Befundung müssen die Art des Materials, die genaue Lokalisation und der Entnahmezeitpunkt angegeben werden.

Reichlich gewonnenes flüssiges Material nativ in sterilem Röhrchen einsenden (je mehr desto besser, um diverse Medien zu beimpfen); geringere Mengen Sekret mit Abstrichtupfer aufnehmen und sofort in ein geeignetes Transportmedium geben. Für die Diagnostik von Mykobakterien ist nur natives Material geeignet.

Transport: Taggleich bei RT, sonst Zwischenlagerung bei ca. 4 °C
Untersuchungsdauer: 2-4 Tage