Labordiagnostik als Schnittstelle der Medizin

Fragen im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015

Interview mit Prof. Dr. med. Jan Kramer
Mitglied im Programmkomitee der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015

Prof. Dr. med. Jan Kramer
Facharzt für Innere Medizin und Labormedizin
Ärztliche Leitung LADR Der Laborverbund

MEDICA:
Als Referent sprechen Sie in einem Kurs* zum Thema „sinnvolle
Labordiagnostik“. Können Sie erläutern, was Sie darunter verstehen und
wogegen genau sich diese Form der Diagnostik abgrenzt?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Unter einer sinnvollen Labordiagnostik verstehe ich den rationellen Einsatz geeigneter Laborverfahren, um zielgerichtet im Interesse der Patienten eine Optimierung des medizinischen Prozesses zu erreichen. Neben der klinischen Erfahrung in der Betreuung der Patienten können hierbei diagnostische Pfade den Weg zur korrekten Diagnose beschleunigen. Damit können wir Diagnosen zum frühestmöglichen Zeitpunkt stellen, ohne wichtige Tests zu übersehen. Unnötige Anforderungen werden dann vermieden. Der Laborarzt kann so auch bei der Erstellung einer sinnvollen Stufendiagnostik eine wichtige Schlüsselrolle im Dialog mit dem Kliniker einnehmen.

MEDICA:
Was erwartet die Teilnehmer im Kurs?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Im Rahmen der Fortbildung werden Vorschläge für eine sinnvolle Labordiagnostik verschiedener Krankheitsbilder dargestellt. Im Dialog mit den Teilnehmern werden diese gemeinsam diskutiert und ein entsprechender Konsens im Anschluss an die Veranstaltung festgehalten („Take home message“). Spezielle Vorkenntnisse sind für die Teilnahme nicht erforderlich.

MEDICA:
Sie sind Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Labormedizin.
Wie sind Sie zur Labormedizin gekommen?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Mein Großvater Dr. med. Siegfried Kramer hatte das Zentrallabor in unserem LADR Laborverbund im Jahr 1945 in Geesthacht bei Hamburg gegründet. Da mein Vater dieses Labor ärztlich weitergeführt hat, war die Labormedizin schon während meiner Kinder- und Jugendzeit immer präsent. Das hat mich inspiriert, Medizin an der Universität zu Lübeck zu studieren – mit dem Ziel, Laborarzt zu werden. Hierbei merkte ich allerdings auch, dass mir der Patientenkontakt sehr viel Freude bereitet. Darum habe ich nach dem Studium zunächst über 10 Jahre in der Inneren Medizin gearbeitet – zuletzt bis 2009 als Facharzt und Oberarzt. Die Labormedizin habe ich dabei aber nie aus dem Augen gelassen und auch bereits während meiner klinischen Tätigkeit verschiedene labordiagnostische Schwerpunkte gesetzt. Seit 2012 bin ich als Facharzt für Labormedizin niedergelassen und leite seitdem den LADR-Laborverbund.

MEDICA:
Was begeistert Sie an diesem Fachgebiet?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Auch wenn im Rahmen der labordiagnostischen Tätigkeit kein direkter Patientenkontakt stattfindet, so steht der Patient doch im Fokus der Labormedizin. Neben der Anamnese und körperlichen Untersuchung sowie der Bildgebung ist die Labordiagnostik eine der Hauptsäulen der modernen Medizin. Heute werden etwa 70 Prozent aller Diagnosen mit Hilfe der Labormedizin gestellt. Mich begeistert dabei insbesondere, dass die Labordiagnostik eine interdisziplinäre Schnittstelle zu verschiedenen Fachgebieten der Medizin darstellt und man hierbei auch sektorenübergreifend sowohl im niedergelassenen als auch Krankenhausbereich tätig sein kann. Der Dialog und die Unterstützung der klinisch tätigen Kollegen ist mir dabei als Laborarzt auch im Interesse unserer Patienten ein sehr wichtiges Anliegen.

MEDICA:
Was ist Ihre Motivation, sich im Programmkomitee der MEC für den Bereich Labormedizin einzubringen?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Gerade im Rahmen medizinischer Fortbildungen kann das Schnittstellen-Fachgebiet „Laboratoriumsmedizin“ an Profil gewinnen und so auch seine Bedeutung für die moderne Medizin herausgestellt werden. Damit kann der medizinische Aspekt unseres Fachgebietes auch gegenüber anderen Fachgebieten sowie in der Öffentlichkeit optimiert dargestellt werden. Meine Motivation ist es, den ärztlichen Aspekt der Laboratoriumsmedizin zu betonen.

MEDICA:
Was bietet die MEDICA EDUCATION CONFERENCE aus Ihrer Sicht, was andere Veranstaltungsformate sonst nicht ermöglichen?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Eine interdisziplinäre Betrachtung der medizinischen Prozesse. Diese ermöglicht aus meiner Sicht eine optimale Patientenbetreuung. Nur im Dialog zwischen unterschiedlichen Fachgebieten ist eine Weiterentwicklung der patientenorientierten Medizin optimal möglich. Daher beteilige ich mich sehr gerne an interdisziplinären Fortbildungsveranstaltungen und Qualitätszirkeln.

MEDICA:
Die Labormedizin entwickelt sich stetig weiter. Welche Erfindung in den
letzten Jahren ist aus Ihrer Sicht die bedeutsamste und weshalb?


Prof. Dr. med. Jan Kramer:
Zum einen ist die Entwicklung im Bereich der konsolidierten und modularen Automatisierung von Laborverfahren über die letzten Jahrzehnte sehr weit vorangeschritten – hierbei spielt zunehmend auch die automatisierte Verbindung von Großgeräten eine Rolle. Die Qualität wird dabei weiterhin wesentlich von einem medizinischen und technischen menschlichen Sachverstand gesteuert. Auch in Zukunft wird das hochspezialisierte Einzelgerät eine wichtige Funktion besitzen. Beispiele hierfür finden sich im Bereich der chromatographischen und molekularbiologischen Verfahren. In meinen Augen gibt es jedoch nicht „die bedeutsamste Erfindung“ in den letzten Jahren, sondern es ist vielmehr die ständige Weiterentwicklung der Methoden in kleinen Schritten, die uns zu dem heutigen hochmodernen Stand der Labordiagnostik gebracht hat. Wichtig für die zukünftige Labormedizin wird es - trotz zunehmender Informationen, die wir labormedizinisch über individuelle Patienten erhalten - weiterhin sein, dass, neben einer entsprechenden EDV-gestützten Auswertung der oft großen Datenmengen auch eine weiterhin fachgerechte Beurteilung der Ergebnisse und entsprechende laborärztliche Kommentierung im Sinne einer ganzheitlichen Befunderstellung erfolgt.

* Kurs:
"Sinnvolle Labordiagnostik – Symptome und Diagnosen"
Termin: Donnerstag, 19. November 2015
Ort: Düsseldorfer Messegelände
auf der
MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015
16. bis 19. November 2015