Kochsalz-/Volumenbelastungstest

Indikation

  • Differenzialdiagnostik Hyperaldosteronismus.
  • Bestätigungstest bei normokaliämischen primärem Hyperaldosteronismus (PHA, Morbus Conn) bei positivem Screeningtest mittels Aldosteron-Renin-Quotienten (ARQ; siehe allgemeines LADR Leistungsverzeichnis). Neben dem bevorzugt durchzuführenden Kochsalzbelastungstest kann optional der Captopril-Suppressionstest oder der Fludrocortison-Suppressionstest (siehe Fachliteratur) zur Bestätigung eines klinisch und/oder im ARQ-Screening vermuteten primären Hyperaldosteronismus angewendet werden. Nur der pathologische Ausfall eines der im Vergleich zum ARQ spezifischeren Bestätigungstests erlaubt letztlich die Diagnose.

Testprinzip

Durch kurzfristige intravaskuläre Volumenbelastung (Perfusionsdruck in Vas afferens der Nieren) und/oder Natriumerhöhung (Macula densa) erfolgt eine Suppression der Renin- und nachfolgend der Aldosteronsekretion. Dieser Regelkreis ist bei primärem Hyperaldosteronismus gestört.

Hinweise und Durchführung

  • Kontraindikationen: Herzinsuffizienz (ggf. Echokardiographie vor Testbeginn), Zustand nach Myokardinfarkt, Zustand nach Schlaganfall oder einer komplexen, unzureichend behandelten Hypertonie
  • Wie beim ARQ-Screening sollte eine Kochsalzarme Diät mindestens 1 Woche vorher unterbrochen werden und 1 Woche vor Testbeginn der Ausgleich einer Hypokaliämie auf > 3,5 mmol/l erfolgen (ansonsten kann eine Hypokaliämie durch die Kaliumfreie Volumengabe verstärkt werden). Auch ein Pausieren von Medikamenten sollte wie beim ARQ beachtet werden: u. a. von Mineralo corticoid-Rezeptorantagonisten (6 Wochen), ACEHemmern, Angiotensin-II-Rezeptorblockern, direkten Renininhibitoren (2 Wochen), Schleifendiuretika (1 Woche).
  • Ärztliche Begleitung, mit regelmäßigen Blutdruckkontrollen und unter Beachtung des Kaliums ist auch der Infusionstest ambulant durchführbar.
  • Messparameter [Material]: Renin/Aldosteron (zentrifugiertes EDTA-Plasma, gefroren in Kühl-/Gefrierbox, Best.-Nr. 260485), Natrium und Kalium [Serum] bzw. oraler Kochsalz- Belastungstest: Aldosteron, Natrium, Kreatinin im 24-h-Sammelurin; 5 ml des über Eisessig gesammelten 24-h-Urins, bitte Sammelvolumen angeben).

Testdurchführung
(Kochsalz-Infusionstest)

  1.  Testbeginn nach mindestens 8 h liegende Position über Nacht, Testzeitraum bevorzugt 8–12 Uhr vormittags in liegender Position
  2.  Blutentnahme basal Aldosteron, Renin (0 min)
  3.  Infusion von 2 l 0,9 %iger NaCl-Lösung über 4 h (500 ml/h)
  4.  Blutentnahme Aldosteron, Renin (4 h nach Infusionsbeginn)

Testalternative
(oraler Kochsalz-Belastungstest)

  1. Über 3 Tage Einnahme von 3 x 2 - 1g-NaCl-Tabletten/Tag
  2. Täglich Bestimmung von Kaliumkonzentration im Serum, ggf. Ausgleich einer Hypokaliämie
  3. Am Tag 3 Bestimmung der Serumelektrolyte sowie im 24-h-Sammelurin von Aldosteron, Natrium und Kreatinin

Bewertung

  • Unauffälliger Befund: Aldosteronabfall im Plasma auf unter 50 ng/l (139 pmol/l), Ausschluss Vorliegen der klassischen Form des primären Hyperaldosteronismus (Morbus Conn; trifft nicht für die nicht-klassische, idiopathische Form zu; siehe unten).
  • Graubereich: Aldosteron im Plasma nach Testende 50 bis 100 ng/l (139 bis 277 pmol/l).
  • Primärer Hyperaldosteronismus: Aldosteronkonzentration im Plasma bleibt unverändert oder fällt nur leicht ab (zumeist Werte über 100 ng/l (277 pmol/l). Die sehr gute Spezifität von ca. 90 % zeigt die geringe Gefahr von falsch positiven Testergebnissen; die Sensitivität (d. h. die Gefahr eines falschen Ausschlusses bei < 50 ng/l) ist dagegen nur für die klassische Form des primären Hyperaldosteronismus (Aldosteron-produzierendes Adenom, APA mit Hypokaliämie, den Morbus Conn) mit 90 % relativ gut.
  • Die Sensitivität für die nicht-klassische idiopathische Form des primären Hyperaldosteronismus (IHA) mit Normokaliämie ist dagegen mit 50 % deutlich geringer. Damit sind unauffällige Testergebnisse nicht mit einem Ausschluss gleichzusetzen! Bei weiterhin bestehendem klinischen Verdacht sollte dann die Durchführung des Captopril-Testes oder des aufwendigen Fludrocortison-Suppressionstestes (siehe Fachliteratur) erwogen werden.
  • Bewertung oraler Kochsalz-Belastungstest: 24-h-Sammelurin Natriumkonzentration > 4 600 mg adäquat nach Belastung, Urin Aldosteronkonzentration > 12 μg/24 h (33 nmol/d) bei Hyperaldosteronismus.