Insulin-Hypoglykämie-Test

Indikation

  • Nachweis von Funktionsstörungen des hypothalamisch-hypophysären-adrenalen Systems.
  • Differenzierung zwischen hypothalamischer oder hypophysärer Ursache einer Hypophysen-Vorderlappen-Insuffizienz
  • V. a. Wachstums hor mon- (HGH)-Mangel. (Goldstandard; aber wegen der möglichen Nebenwirkungen Arginin-GHRH-Test (siehe dort) bevorzugen, der auch ambulant durchführbar ist). Somatotropes Hormon (STH; Somatotropin) kann als synonyme Bezeichnung für Wachstumshormon (HGH; engl.: Human Growth Homon) verwendet werden.

Testprinzip

Die Hypoglykämie verursacht eine starke zentrale Stresssituation, einhergehend mit einer Ausschüttung von CRH sowie nachfolgend von ACTH und Cortisol. Gleichzeitig führt die Hypoglykämie zu einer Stimulation der HGH- und Prolaktinsekretion.

Hinweise und Durchführung

  • Kontraindikationen: Koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, cerebrovaskuläre Erkankungen, Epilepsie, bekannte schwere Nebennierenrindeninsuffizienz, Glykogenspeicherkrankheiten.
  • Schriftliche Aufklärung mindestens 24 h vor Testbeginn (dies beinhaltet auch die Fahruntüchtigkeit nach Beendigung des Testes).
  • Alternative Funktionsteste erwägen (je nach Fragestellung): ACTH-Stimulationstest (nicht sinnvoll nach kurz- bis mittelfristig zurückliegender Hypophysenoperation), Metopiron-Test, GHRH-Arginin-Stimulationstest, TRH-Test.
  • Wegen der möglichen Auslösung einer schweren Hypoglykämie muss während der gesamten Testdurchführung die Anwesenheit eines Arztes bei engmaschiger und zeitnaher Messung der Glucosewerte z. B. mittels POCT alle 5–10 min gewährleistet sein. 20- oder 50%ige Glucoselösung für Infusion bereitstellen. Testdurchführung daher bestmöglich unter stationären Bedingungen.
  • Berücksichtigung des Risikos für schwere prolongierte Hypoglykämien bei Hypocortisolismus.
  • Messparameter [Material]: ACTH [EDTAPlasma, gefroren in Kühl-/Gefrierbox; Best.-Nr. 260485], Cortisol, HGH, Prolaktin [jeweils Serum], Glucose [Natrium-Fluorid].

Testdurchführung

  1. Nüchtern über 8 h, während des Tests liegende Position
  2. Blutentnahme basal (0 min)
  3. i. v.-Gabe von 0,1 IE/kg Körpergewicht Insulin (Hypophysen- oder primäre Nebennierenrinden-Insuffizienz) bzw. 0,25 IE/kg Körpergewicht (Insulinresistenz-Erkrankungen wie höhergradige Adipositas, Typ-2-Diabetes, Akromegalie oder Hypercortisolismus)
  4. Blutentnahmen nach 15, 30, 45, 60, 90 und 120 min bzw. bis zum Erreichen einer klinisch symptomatischen Hypoglykämie und einem Blutzucker von 35 mg/dl / 1,9 mmol/l)
  5. Testende: Mahlzeit, mindestens 2 h weiterer Aufenthalt, Entlassung nur bei kontinuierlich stabilen oder steigenden Blutzuckerwerten, bei V. a. Hypocortisolismus am Testende 30 bis 50 mg Hydrocortison oral

Bewertung

  • Unauffälliger Befund (Ausschluss primäre oder sekundäre Nebennierenrinden-Insuffizienz): Anstieg von Cortisol auf 180 bis 218 μg/l (500 bis 600 nmol/l) einhergehend mit einem ACTH-Anstieg auf mindestens 150 pg/ml (33 pmol/l); Cortisol und ACTH sollten stimuliert mindestens das 1,5- bis 2-Fache des Ausgangswertes erreichen
  • Wachstumshormon-Mangel: unzureichender Anstieg des HGH (Werte < 5,1 ng/ml)
  • Bei langdauernder diabetischer Stoffwechsellage eingeschränkte Aussage aufgrund gestörter gegenregulatorischer Cortisol- und GH-Sekretion