Hämatologie im LADR Labor Verbund

Die Diagnostik hämatologischer Erkrankungen ist zu einem umfangreichen Spezialgebiet geworden, welches unterschiedliche diagnostische Disziplinen einschließt.

Die aktuelle 4. WHO Klassifikation der hämatologischen Neoplasien von 2017 umfasst annähernd 150 Entitäten, dazu kommen noch die zahlreichen nicht-neoplastischen hämatologischen Erkrankungen wie Hämoglobinopathien, Mangel an Substraten und Parasitosen. Diese ausufernd erscheinende Differentialdiagnose ist kein Selbstzweck, sondern ist von entscheidender Bedeutung für die differentielle Therapie der Erkrankungen.

Der LADR Verbund hat hier einen etablierten Schwerpunkt mit folgenden speziellen Kompetenzen:

Zytologie:

In vielen Fällen entscheidend, gerade für die Initialdiagnose bei Patienten mit unspezifischen Symptomen, ist die Beurteilung des Blut- oder Knochenmarkausstriches. Die „erste Instanz“ der Blutbildanalyse ist in einem modernen Hochdurchsatzlabor selbstverständlich eine automatisierte Analytik. Im LADR Zentrallabor in Geesthacht mündete eine über 30-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit von LADR und Sysmex in eine der ersten Installationen der „Sysmex XN-9000 Maximum Workload-Konfiguration“ auf dem Europäischen Kontinent.

Aber: trotz der enorm leistungsfähigen Analytik mit Bilderkennungs-Tools ist vieles Handarbeit. Die hämatologisch qualifizierten technischen Mitarbeiter/-innen und Ärzte/-innen mikroskopieren jeden Tag zahlreiche Ausstriche nach und verfassen anschließend individuelle Kommentare.

Knochenmarkdiagnostik erfolgt immer visuell, die technischen und personellen Voraussetzungen bestehen in den LADR-Laboren Geesthacht und Braunschweig.

Dazu gehören auch die zytochemischen Diagnoseverfahren, wie sie in der klassischen Hämatologie üblich sind (POX, PAS, Eisenfärbung ...), insbesondere zur Differentialdiagnose von Leukämien, Lymphomen und Myelodysplasien.

Durchflusszytometrie:

Die durchflusszytometrische Immunphänotypisierung leistet einen entschei­denden Beitrag zur Diagnostik myeloischer Erkrankungen (AML/MDS), ausschwemmender Lymphome, Plasmozytom / MGUS und spezieller Erkrankungen (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie; Sphärozytose).

Stärken der Durchflusszytometrie sind:

  • Schnelligkeit (falls Notfall bekannt*, Ergebnis noch am Tag des Probeneingangs)
  • sehr niedrige Nachweisgrenze für maligne Zellen mit einem charakteristischen Immunphänotyp, oft weit unter 1 %, insbesondere für B-NHL
  • für viele Krankheitsentitäten schnelle eindeutige Klassifizierung (z.B. CLL und viele andere B-NHL; AML, ALL, PNH). Unter anderem die therapeutisch enorm wichtige Abgrenzung der Promyelozyten¬leukämie AML-M3 gegenüber sonstigen AML-Formen gelingt durchfluss-zytometrisch in den meisten Fällen eindeutig.

* das Labor ist für derartige Informationen und Absprachen Werktags von 7:30 -17:00 Uhr besetzt unter der Telefonnummer 04152 803292 (Geesthacht) bzw. 0421-4307-266 (Bremen) zu erreichen.

Die Durchflusszytometrie stößt methodisch bedingt an ihre Grenzen:

  • bei der exakten Quantifizierung von Zellpopulationen, hier ist die Histologie und Zytologie führend
  • bei der Diagnostik von Neoplasien ohne einen charakteristischen Immunphänotyp; Beispiele sind die CML oder viele Fälle von diffus großzelligen B-Zell Lymphomen, hier hilft die Zytologie, Histologie und Zyto-/ Molekulargenetik weiter.

Im LADR-Verbund werden diese Untersuchungen in Geesthacht und Bremen durchgeführt, die Geräteplattform stammt derzeit von Beckman Coulter.

Pathologie:

Siehe eigener Beitrag. Der Befund des Pathologen wird in den LADR-Gesamtbefund des Patienten integriert.

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Humangenetik:

das LADR Laborzentrum in Recklinghausen ist ein kompetentes Zentrum für humangenetische Untersuchungen, z.B. für Tumor-prädisponiernde Gene (BCRA1/2 etc.). Die Zyto-/Molekulargenetik aus Proben hämatologischer Neoplasien leiten wir in der Regel an das Institut für Tumorgenetik Nord in Kiel (Frau Dr. Harder) weiter, wenn dies nicht schon von Seiten des Einsenders geschehen ist, was aufgrund der zeitkritischen Präanalytik zu präferieren ist.

Insbesondere bei komplexen und uneindeutigen Befunden, findet eine Koordinierung der verschiedenen Befundkomponenten (Zytologie / Pathologie / Durchflusszytometrie / Humangenetik) statt.

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Die hämatologische Diagnostik ist oft ein Puzzlespiel, die endgültige Diagnose ergibt sich in der Zusammenschau der einzelnen Befunde.