GnRH-(LHRH-)Stimulationstest

(Gonadotropin-Releasinghormon-Stimulationstest)

Indikation

  • Differenzialdiagnostik hypothalamisch und hypophysär bedingter Hypogonadismusformen
  • Unterscheidung konstitutioneller Entwicklungsverzögerung und hypogonadotroper Hypogonadismus

Testprinzip

Stimulation der Gonadotropinsekretion (LH und FSH) durch Applikation von GnRH (Gonadotropin-Releasinghormon)

Hinweise und Durchführung

  • Kontraindikation: Therapie mit GnRH-Analoga; Schwangerschaft.
  • Mindestens 3 Wochen vor Testbeginn Sexualhormone absetzen (z. B. orale Kontrazeptiva; Testosterondepotpräparate 6 Wochen).
  • Testdurchführung nur bei niedrigen FSH und LH-Basalwerten sinnvoll; bei erhöhten basalen LH-/FSH-Werten muss an einen primär testikulär (z. B. Klinefelter-Syndrom) bzw. primär ovariellen Hypogonadismus gedacht werden.
  • Bei Frauen ist der optimale Testzeitpunkt in der Lutealphase des Zyklus (3.–5. Zyklustag).
  • Messparameter [Material]: LH und FSH [Serum], ergänzend als Ausgangswert basal Östrogen bzw. Testosteron [Serum].

Testdurchführung

  1. Blutentnahme basal (0 min) LH, FSH
  2. Applikation von 100 μg GnRH (Relefact LHRH oder LHRH Ferring; Kinder: 25 μg oder 60 μg pro m2 Körperoberfläche, 25 bis maximal 100 μg GnRH)
  3. Blutentnahmen LH und FSH jeweils nach 30 und 60 min (alternativ: alle 30 min über 2 h, ergänzend Östrogen/Testosteron nach 24 h)

Bewertung

  • Die Beurteilung der Testergebnisse ist abhängig vom Alter, Geschlecht, von den Zyklusphasen und Pubertätsstadien (s. Referenz tabellen Kinderendokrinologie).
  • das FSH steigt im Vergleich zum LH nur verzögert und zumeist deutlich geringer an. FSH kann wenig stimulierbar sein, ohne dass eine pathologische Bedeutung besteht.
  • Regelrechte bis hohe Stimulierbarkeit bei niedrigen Ausgangswerten: Hinweis auf intakte Funktionsreserve bei hypothalamischer Störung, ein Anstieg des LH > 3-fach bei Männern bzw. > 4-fach bei Frauen schließen eine hypophysäre Störung / gonadotrope Insuffizienz aus.
  • Erhöhter Anstieg: Hinweis auf polyzystische Ovarien, Postmenopause/Klimakterium, primäre Gonadeninsu·zienz.
  • Fehlender oder nur geringer Anstieg: Hypophyseninsuffizienz, länger bestehende hypothalamische Störung, Pubertas tarda, Einnahme von Östrogenen, Androgenen, Anabolika.
  • Bei fehlendem Anstieg: Testwiederholung nach einwöchiger pulsatiler GnRH-Gabe über eine Pumpe (z. B. 5 μg GNRH 2-stündlich; hypothalamische Störung: LH-/FSH-Anstieg, hypophysäre Störung: LH-/FSH-Anstieg nicht vorhanden).