Zur Diagnostik bei akuten Atemwegsinfektionen im Winterhalbjahr 2021/22

In der täglichen Praxis ist es eine Herausforderung zu entscheiden, ob, wann und wie akute Infektionen des Respirationstrakts labordiagnostisch abgeklärt werden sollen. Die dynamische Entwicklung der Corona-Pandemie (z. B. durch Einfluss der Impfquote oder Mutationsvarianten/VOC), das gesamtgesellschaftliche infektionspräventive Verhalten sowie die mögliche, aber nicht immer gegebene Saisonalität anderer Erreger beeinflussen die Häufigkeit und Symptomatik von Infektionen mit SARS-CoV-2 (COVID-19).

Aber auch Infektionen, die durch andere virale oder bakterielle Erreger mit vergleichbarer Symptomatik (s. unten) verursacht werden, können anhand des klinischen Bildes differentialdiagnostisch schlecht oder gar nicht von COVID-19 unterschieden werden.

Daher möchten wir eine Hilfestellung zur Indikationsstellung und Durchführung der geeigneten Labordiagnostik bei akuten Atemwegsinfektionen geben.

Dabei sind folgende Überlegungen grund­legend zu beachten:

  • Die Infektion mit SARS-CoV-2 manifestiert sich mit einem breiten und nicht spezifischen Krankheitsbild. 
  • Die von der in Deutschland im Spätsommer/Frühherbst 2021 dominierenden Delta-Variante (B.1.617.2) verursachten Infektionen können auch bei Geimpften zumindest kurzzeitig zu einer hohen, für eine Transmission ausreichenden Viruslast im oberen Respirationstrakt führen, wobei der Verlauf bei Geimpften meist einer leichten Infektion des oberen Respirationstraktes entspricht.
  • Bei Infektionen durch die Delta-Variante fehlt vielfach der zuvor bei anderen Varianten gesehene hinweisende Verlust von Geschmacks- und/oder Geruchssinn.
  • Die relativ typische Saisonalität von RSV (Respiratory Syncytial Virus) ist in diesem Jahr verändert; es gab bereits im Sommer 2021 eine auffällige Anzahl an Infektionen.
  • Die nächste Influenza-Welle ist, nach Ausfall im Herbst/Winter 2020/21, hinsichtlich Beginn und Ausmaß momentan nicht vorhersagbar.

Empfehlungen für die Diagnostik akuter Atemwegsinfektionen sind aus diesen Grundlagen abgeleitet:

  1. Auch mild verlaufende Infektionen sollten, unabhängig vom Impfstatus, „niedrigschwellig“ (frühzeitig) mittels SARS-CoV-2-PCR untersucht werden, um die Patienten hinsichtlich der Bedeutung eines solchen Befundes sachkundig beraten zu können (etwa Vorliegen von Risikofaktoren, Gefährdung Dritter). Wie bei symptomatischen Personen generell, ist auch bei gegen SARS-CoV-2 Geimpften mit Symptomen, unabhängig davon, wie stark diese sind, der SARS-CoV-2-PCR-Diagnostik hinsichtlich Sensitivität und Spezifität der Vorzug vor anderen Nachweismethoden zu geben.
  2. Je nach Klinik (z. B. Fieber und/oder Husten) und der epidemiologischen Situation kommen differentialdiagnostisch eine Reihe von bakteriellen und auch anderen viralen Erregern in Betracht, die sich klinisch meist wenig unterscheiden und nur mittels molekularer und kultureller Diagnostik erkannt werden können. 


Die aktuelle Verbreitung schwankt saisonal erheblich und ist z. B. in den Berichten der AG Influenza des RKI (https://influenza.rki.de/wochenberichte.aspx) zu finden.

Parameter Material EBM* GOÄ
    Ziffer Ziffer € (1,15-fach)
SARS-CoV-2-PCR# Nasopharyngealabstrich 32816
 
35,00 €
 
4780
4782
4783
4785
147,46 €**
 
Bordetella spp. (PCR) Nasopharyngealabstrich 32829
32859
20,50 € 4780
4783
4785
113,96 €
Respiratorische Screening-PCR:
Viren: Influenza (Flu) A/B, Respiratory Syncytial Virus (RSV) A/B, Humanes Metapneumovirus (HMPV), Rhinovirus/Enterovirus (RV/EV), Adenovirus (AdV), Parainfluenza (PIF) 1, 2, 3 und 4, Bocavirus (BoV), „altes“ Coronavirus 229E (CoV 229E), OC43, NL63 und HKU1;
Bakterien: Chlamydophila pneumoniae, Mycoplasma pneumoniae, Legionella pneumophila
Nasopharyngealabstrich 32839
32841
32842
3x 32859
61,50 € 4780
4782
4783
4785
147,46 €

#Nicht in der respiratorischen Screening-PCR enthalten.
*Der Verdacht auf eine Erkrankung, bei denen eine gesetzliche Meldepflicht (z. B. Influenza, Legionellen) besteht, ist mit der EBM-Ausnahmekennziffer 32006 zu kennzeichnen. Alle ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts bzw. des Nachweises einer SARS-CoV-2-Infektion erforderlich sind, werden im EBM extrabudgetär bezahlt. Die Fälle sind dazu in der Arztpraxis mit der Ziffer 88240 zu kennzeichnen.
**Wenn eine sozial-medizinische Indikation gegeben ist, kann eine Berechnung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Höhe von 58,29 Euro vorgenommen werden.