Darmkrebsvorsorge:Tumor M2-Pyruvatkinase (M2-PK) als Ergänzung

Bösartige Neubildungen des Gastrointestinaltraktes gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Jede 17. Frau und jeder 14. Mann in Deutschland erkranken im Laufe des Lebens an Kolonkarzinom. 2017 verstarben daran 10.879 Frauen und 12.873 Männer bei 58.290 Neuerkrankungen. Das Risiko für Kolonkarzinom steigt ab dem 50. Lebensjahr erheblich an, weitere Risikofaktoren sind Vorkommen von Darmpolypen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas, Tabak- und Alkoholkonsum sowie Diabetes mellitus Typ 2. Bei familiärer Häufung besteht auch bei jüngeren Menschen ein hohes Risiko für Kolonkarzinom.

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Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchung

Da sich Darmkrebs aus Vorstufen in der Regel langsam entwickelt, kann diese Erkrankung durch Vorsorgemaßnahmen effektiv verhindert werden. Nach dem Auftreten von Beschwerden ist die Krankheit meist fortgeschritten und schwer heilbar. Ab dem Alter von 50 Jahren hat jeder gesetzlich-Versicherte in Deutschland Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs, die Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms sind.

Dazu gehört die Darmspiegelung (Koloskopie) für Männer ab 50 Jahren und für Frauen ab 55 Jahren. Wer die Koloskopie nach Abwägung aller Vor- und Nachteile ablehnt, kann alternativ regelmäßig einen quantitativen immunologischen Test auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) ab dem Alter von 50 Jahren durchführen lassen. Der 2017 eingeführte iFOBT weist 2-3-fach höhere Auffindungsraten für Kolonkarzinom und dessen Vorstufen auf als der bisher gebräuchliche, guajakbasierte Test. Die mögliche Limitation dieses Verfahrens ist die Tatsache, dass die nicht blutenden Polypen und Tumoren dadurch nicht detektiert werden.

Blutbasierter Septin9-Test und M2-PK Test im Stuhl

Neben dem stuhlbasierten iFOBT Test bietet unser Labor auch den blutbasierten Test Septin9 an. Die Sensitivität dieses Testes ist zwischen iFOBT und Koloskopie einzuordnen. Die parallele quantitative Bestimmung eines Biomarkers M2- Pyruvatkinase (M2-PK) im Stuhl kann die Früherkennung von Kolonkarzinom verbessern.

Pyruvatkinase ist ein im Zellstoffwechsel unentbehrliches Enzym, welches bei der Glykolyse gewonnene Energie als ATP bereitstellt und eine wichtige Rolle bei der Zellproliferation spielt. Es sind vier gewebsspezifische Isoformen der PK bekannt. Während der Karzinogenese verändert sich das Isoenzymmuster: Die dimere Form (M2-PK) wird überexprimiert. M2-PK ist kein organspezifischer Tumormarker. Erhöhte M2-PK -Werte im Plasma werden bei verschiedenen Neoplasien beobachtet: Nierenzell-, Bronchial-, Pankreaskarzinom. Im Stuhl finden sich erhöhte Konzentrationen von M2-PK bei gastointestinalen Tumoren sowie bei kolorektalem Karzinom.

M2-PK wird zudem nicht nur bei Darmkrebs freigesetzt: Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Pouchitis oder Divertikulitis weisen ebenfalls erhöhte Werte auf. Diese Einschränkung sollte vor der Untersuchung berücksichtigt werden. Die Sensitivität des M2-PK Tests bei Kolonkarzinom beträgt 80–85 %, Spezifität 70-80 %. Die Sensitivität bei Rektumkarzinomen und Adenomen ist niedriger (44 % bei Adenomen > 1 cm). Bei positivem Nachweis sollten weiterführende Untersuchungen (z. B. Koloskopie, Gastroskopie) durchgeführt werden.

Für den Tumor-M2-PK-Stuhltest liegen im Gegensatz zu iFOBT derzeit noch keine groß angelegten, randomisierten kontrollierten Screening-Studien vor, die eine signifikante Reduktion der dick- und enddarmkrebsspezifischen Mortalität belegen. M2-PK ist stabil im Stuhl für 2 Tage bei Raumtemperatur.

Der M2-PK Test wird wie der Septin9 Test derzeit als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten.

Abrechnung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL)

Parameter GOÄ
  Ziffer € (1,15-fach)
M2-PK 3903.H3 30,16 €
Septin 9 3920, 3924, 113,96 €
  3922