Copeptin (CT-proAVP) – das stabile ADH-Äquivalent

Die direkte Bestimmung des Antidiuretischen Hormons (ADH, auch Vasopressin genannt) zur Abklärung eines Polyurie-Polydipsie-Syndroms ist aufgrund seiner Instabilität problematisch (siehe Abb. 2). Um dennoch das volle diagnostische Potenzial zu nutzen, kann Copeptin (CT-proAVP) als Surrogatmarker für ADH eingesetzt werden. Das Vorläuferpeptid PräProvasopressin wird äquimolar in ADH, Neurophysin II und Copeptin aufgespalten.

Die Herausforderung bei einem klinischen Polyurie-Polydipsie-Syndrom ist die Differentialdiagnostik zwischen einem Diabetes insipidus und einer primären Polydipsie. Die zeitgleiche Bestimmung von Copeptin (CT-proAVP), Natrium und der Osmolalität im Serum liefert in der endokrinologischen Differentialanalytik aufeinander abgestimmte Referenzwerte (Tab. 1). Alternativ bzw. ergänzend kann auch eine Stufendiagnostik zur erweiterten Abklärung Verwendung finden.

Stufendiagnostik beim Polyurie Polydipsie-Syndrom

Copeptin Referenzwerte in Bezug zur Plasmaosmolalität

Osmolalität [mmol/kg] Copeptin [pmol/l]
270–280 < 11,6
281–285 1,0–13,7
286–290 1,5–15,3
291–295 2,3–24,5
296–300 2,4–28,2

Funktion von Copeptin

Die physiologische Bedeutung des Copeptins ist bislang nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird eine Beteiligung von Copeptin am Transport des ADH vom Hypothalamus zur Neurohypophyse. Eine erhöhte Osmolalität oder ein verringertes Blutvolumen führt zu einer raschen Freisetzung. Eine „nicht osmotisch bedingte“ Freisetzung folgt auf starken endogenen Stress bei schweren Erkrankungen wie Sepsis, Polytrauma, akutem Koronarsyndrom oder auch Schlaganfall.

Indikationen zur Copeptin-Bestimmung

  • Verdacht auf einen Diabetes insipidus bei einem Polyurie-Polydipsie-Syndrom
  • Differenzierung des Diabetes insipidus in die Unterformen renalis und zentralis
  • Abklärung einer unklaren Hyponatriämie

Vorteile von Copeptin gegenüber ADH

  • Bleibt im Serum auch bei Raumtemperatur mehrere Tage stabil
  • Keine analytisch relevante Bindung an Thrombozyten – weniger falsch erhöhte Werte
  • Copeptin ist größer als ADH, sodass sensitivere und präzisere Methoden genutzt werden können
  • Dadurch in der Regel taggleiche Befundmitteilung – Radioimmunassays bei der ADH-Bestimmung dauern bis zu mehreren Tagen
  • Bei gleichzeitiger Bestimmung der Osmolalität bzw. des Natriums im Serum ist nur eine Abnahmemonovette erforderlich

Literatur

  1. Balanescu S et al. Correlation of Plasma Copeptin and Vasopressin Concentrations in Hypo-, Iso-, and Hyperosmolar States. J Clin Endocrinol Metab. 2011 Apr;96(4):1046–1052.
  2. Fenske W et al. Copeptin in the Differential Diagnosis of the Polydipsia-Polyuria Syndrome – Revisting the Direct and Indirect Water Deprivation Tests. J Clin Endocrinol Metab. 2011 May;96(5):1506–15.

Abrechnung

Parameter Probenmaterial EBM GOÄ
    Ziffer Ziffer € (1,15-fach)
Copeptin (CT-proAVP)

1 ml Serum

32416 24,90 € 4062 32,18 €
Natrium

1 ml Serum

32083 0,25 € 3558 2,01 €
Osmolalität

1 ml Serum

32244 8,10 € 3716 3,35 €