Blutproben nie „umkippen“!

Ein Fall aus der Praxis:
Am Freitagabend erhält unser LADR Labor den Auftrag, ein kleines Blutbild im Rahmen einer Routinediagnostik durchzuführen.

Ergebnis:
Alle Zellreihen sind massiv erniedrigt, es handelt sich um einen medizinischen Notfall!

Folge:
Der Hausarzt wird informiert und der Patient direkt ins Krankenhaus eingewiesen. Eine dort erfolgte Kontrolluntersuchung zeigt unauffällige Blutwerte.

Die Erklärung ...

Was ist in der Praxis passiert?
Angeronnenes Blut im Serum-Röhrchen wurde in ein EDTA-Röhrchen gekippt

Die Problematik:
Im angeronnenen Blut werden die Zellen im Blutkuchen „gefangen“ → es resultieren falsch niedrige Werte u.a. bei Leukozyten, Hämoglobin und Thrombozyten.

  Messung im Labor Kontrolle im KH Einheit Referenzbereich

Leukozyten

0.4 7.1 G/l 3.7-9.9

Erythrozyten

1.3

5.0 T/l 4.5-4.9
Hämoglobin 3.9 15.3 g/dl 13.5-17.5
Hämatokrit 0.11 0.43 l/l 0.40-0.53
MCH 30 31 pg/Ery 28-33
MCHC 34 36 g/dl 33-36
MCV 88 86 fl 80-96
Thrombozyten 2 273 G/l 140-360

 

Weitere Beispiele für einen nicht sachgerechten Umgang mit Blutproben:

1.EDTA-Blut wurde in ein Serum-Röhrchen gekippt: 
Was passiert?

Das EDTA bildet einen Komplex mit 2-wertigen Kationen wie Magnesium und Calcium, und verhindert dadurch die Blutgerinnung. Zudem ist im Röhrchen Kalium enthalten.

Die Folge:
→ Magnesium und Calcium falsch erniedrigt
→ Kalium falsch erhöht

2.Citrat-Blut wurde in ein Serum-Röhrchen gekippt:
Was passiert?

Im Röhrchen ist flüssiges Natrium-Citrat vorhanden.

Die Folge:
→ Natrium falsch erhöht
→ Verdünnung durch die vorhandene Flüssigkeit