Humangenetische Beratung bei Fehlgeburten

Den Kinderwunsch erfüllen - einen Traum verwirklichen. Mit 
dem positiven Schwangerschaftstest wird ein Gefühl Gewissheit: 
neues Leben beginnt! Doch was wird aus dem Kinderwunsch, 
wenn dieses eine neue Leben, das sich so deutlich abzeichnete, 
schon wieder geht, bevor es richtig angekommen ist?

Die Welt treibt fort ihr Wesen,
Die Leute kommen und gehn,

Als wärst Du nie gewesen,
Als wäre nichts geschehn.

Joseph von Eichendorff, 1835

Die Planung einer Schwangerschaft bedeutet für viele Paare und ihre Familien nicht nur die gute Hoffung, auf eine Schwangerschaft. Gute Planung sowie eine optimale und umfassende Vorsorge - da kann doch nichts mehr schief gehen! Geht dann trotzdem die Leibesfrucht, die bereits als Dritter im Bunde erlebt wurde, verloren, wird der guten Hoffnung ein jähes Ende gesetzt.

Biologische Hintergründe

Die frühe Entwicklung der befruchteten Eizelle und des Embryos beruht auf einem verwobenen Zusammenwirken vieler Gene. Sobald das Embryo die Gebärmutterhöhle erreicht, wird es sich dort einnisten und heranwachsen. Etwa 50% der befruchteten Eizellen gehen natürlicherweise verloren, die meisten von ihnen in der Zeit zwischen Befruchtung und (dem dann nicht mehr) Ausbleiben der Regelblutung. Von den Schwangerschaften, die sich durch das Ausbleiben der Regelblutung bemerkbar machen, gehen durchschnittlich 15 bis 20 Prozent als Fehlgeburt verloren, wobei Frauen unter 30 Jahren seltener betroffen sind und Frauen über 40 Jahren häufiger.

Gesellschaftliche Situation

Unsere Lebensbedingungen und damit die Lebens- und Familienplanungen haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich geändert. Dies trifft in besonderem Maße auf die Erfüllung des Kinderwunsches zu. Die Realisierung des Kinderwunsches wird als selbstverständlich erwartet, besonders von der Familie und den Freunden. Dass eine Schwangerschaft auch mal verloren gehen kann - wer denkt schon daran!
Der Verlust auch einer frühen Schwangerschaft bedeutet für viele Frauen und Paare den Verlust ihres Wunschkindes. Damit taucht der Wunsch auf, die Ursachen zu finden und zu beseitigen.

Ursachen für Fehlgeburten

Die meisten Fehlgeburten ereignen sich spontan, eine bestimmte Ursache kann nicht erkannt werden.
Hatte eine Frau bereits mehrere Fehlgeburten, möglicherweise auch noch keine Schwangerschaft ausgetragen, stellt sich die Frage nach konkreten Ursachen ganz besonders drängend. Mögliche Ursachen von Fehlgeburten, die durch systematische medizinische Untersuchungen erkannt werden können, sind:

  • Erkrankungen der Frau (z. B. Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen)
  • chronische Infektionen der Scheide
  • Erkrankungen der Gebärmutter (z. B. Myome)
  • Chromosomenstörungen
  • Erbliche Thromboseneigung
  • Erworbene Thromboseneigung

Viele der Ursachen können behandelt, einige durch die Behandlung geheilt werden, so dass das Risiko für weitere Fehlgeburten geringer wird. Andere Ursachen können medizinisch erkannt, aber nicht beeinflußt werden. Sie stellen die Frau und ihren Partner sowie möglicherweise ihre Familien vor schwierige Aufgaben.

Diagnostische Möglichkeiten der Humangenetik

  • Chromosomenanalysen bei beiden Partnern
  • Genanalyse erblicher Thrombose-Risikofaktoren
  • Wenn sinnvoll: zytogenetische Analysen am Abortgewebe

PDF Fehlgeburten