Diagnostik der Infertilität

Die Hauptb​edeutu​ng der andrologischen Diagnostik liegt in der Weichenstellung bzgl. der weiteren Therapie mit der Hauptunterscheidung in therapierbare und nicht therapierbare Fertilitätsstörungen. Im klinischen Alltag hat sich eine Stufendiagnostik gemäß  internationalen Leitlinien/Empfehlungen (für Details  siehe unten).

Minimale andrologische Diagnostik

Zu den minimalen Anforderungen an eine andrologische Diagnostik bei einer Paarinfertilität gehören gemäß AUA-ASRM-, NICE- und ICSI-Leitlinien/Empfehlungen (s.unten):  

  • Anamnese/ Paaranamnese ()
  • Ejakulatanalyse (AUA-ASRM / ESHRE, NICE, ICSI, EAU)
    • Nach 2-3 Tagen sexueller Abstinenz
    • Zweimalig mit 1 bis 3 Wochen Abstand dazwischen
    • gemäß WHO laboratory manual for the examination and processing of human semen, WHO; 5. Auflage 2010

Andrologische Basisdiagnostik

Zusätzlich zur minimalen andrologischen Diagnostik sollte eine weiterführende andrologische Basisdiagnostik mit körperlicher Untersuchung inklusive genitaler Untersuchung gemäß EAU-, NICE- und ICSI-Leitlinien/Empfehlungen (s.unten) erfolgen, bei einer auffälligen Anamnese, bei  Auffälligkeiten in der Ejakulatanalyse, bei idiopathischer Paarinfertilität und bei behandeltem weiblichem Faktor und persitierender Infertilität. Diese Basisuntersuchung sollte um eine endokrine Labordiagnostik von FSH und Testosteron (ggfs. auch LH, Prolaktin und SHBG) ergänzt werden bei allen Patienten mit 

  • Spermienzahlen unterhalb von 10 Mill/ml
  • Sexueller Dysfunktion (z.B. Erektile Dysfunktion) 
  • klinischen Untersuchungsergebnissen vereinbar mit einer Endokrinopathie 

Zusätzliche andrologische Diagnostik 

Zusätzliche Untersuchungen im Rahmen der andrologischen Diagnostik betreffen die genetische Diagnostik und die Durchführung einer Hodenbiopsie und sind nur in Einzelfällen indiziert. 

Genetische Diagnostik

  • Karyotypisierung
    • Verdacht auf Klinefelter Syndrom
    • Wiederholte Aborte
    • vor geplanter intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI)
  • Molekulare Genetik Y-chromosomaler Mikrodeletionen
    • Schwere Oligozoospermie oder Azoospermie
    • vor geplanter intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI)
  • Molekulare Genetik von Mutationen im Zystische Fibrose (CFTR) Gen
    • Kongenitale beidseitige Aplasie der Samenleiter
    • Schwere Oligozoospermie oder Azoospermie mit V. a. Verschluss
    • Weiblicher Partner mit bekannter CFTR Mutation

Hodenhistologie

  • Diagnostisch / therapeutische Hodenbiopsie zur definitiven Unterscheidung zwischen obstruktiver und testikulärer Azoospermie
  • Diagnostische Hodenbiopsie zur Diagnostik maligner Zellen